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Linda Chai – Abschied vom Leistungssport

 

Mit Ende dieser Saison beendet Linda Chai ihre aktive Laufbahn im Kunstturnen. Was einst im Alter von nur fünf Jahren bei der Turnerschaft Hohenems begann, entwickelte sich über viele Jahre hinweg zu einer beeindruckenden sportlichen Reise.

 

Die Turnerschaft Hohenems war Lindas sportliche Heimat und Ausgangspunkt ihrer Entwicklung. Ihr Weg führte sie Schritt für Schritt vom Kindertraining, ins Vorarlberger Landeskader und bis auf große Wettkampfbühnen, stets verbunden mit der Turnerschaft Hohenems, der sie über all die Jahre treu blieb.

 

Zum Abschluss ihrer Karriere blickt Linda auf eine intensive Zeit zurück, die weit über Medaillen und Platzierungen hinausgeht.

 

Im Interview spricht Linda Chai über ihre Anfänge, besondere Erfolge, Herausforderungen und darüber, was sie aus dem Kunstturnen für ihr weiteres Leben mitnimmt.

 

 

Der Anfang einer langen Reise

 

Linda, du hast bereits mit fünf Jahren bei der Turnerschaft Hohenems mit dem Kunstturnen begonnen. Erinnerst du dich noch an deine ersten Trainings oder daran, was dich damals am Turnen begeistert hat?

Als kleines Kind habe ich eigentlich immer mit dem Wunsch gespielt, Ballett zu beginnen. Der Weg zum Verein nach Bregenz war jedoch mit viel Verkehr verbunden und zeitlich für meine Eltern schwer umzusetzen. Meine Tante hat mir daraufhin vorgeschlagen, doch einmal das Turnen auszuprobieren. Aus diesem ersten Versuch hat sich sehr schnell eine große Leidenschaft entwickelt – so bin ich schließlich zum Kunstturnen gekommen.

 

Wann hast du gemerkt, dass Kunstturnen für dich mehr als nur ein Hobby ist?

Das wurde mir relativ früh bewusst, auch wenn es keinen einzigen bestimmten Moment gab. Es war vielmehr ein schleichender Prozess. Mit jedem Training und jedem Wettkampf habe ich mehr gespürt, wie sehr ich diesen Sport liebe und wie stark er ein Teil von mir geworden ist.

 

Welche Rolle hat die Turnerschaft Hohenems in deiner sportlichen Entwicklung gespielt?

Die Turnerschaft Hohenems war über viele Jahre mein sportliches Zuhause. Dort habe ich nicht nur turnerische Grundlagen gelernt, sondern auch Werte wie Disziplin, Durchhaltevermögen und Zusammenhalt. Der Verein hat mich durch unzählige Höhen und Tiefen begleitet und mich nicht nur sportlich, sondern auch als Mensch geprägt.

 

 

Höhen, Tiefen und Erinnerungen

 

Auf welche sportlichen Erfolge oder Momente blickst du besonders stolz zurück?

Am Anfang meiner Turnkarriere zählte ich eher zu den schwächeren Turnerinnen. Umso unglaublicher war es für mich, dass ich mich innerhalb eines Jahres so stark steigern konnte, dass ich bei den Jugendstaatsmeisterschaften plötzlich auf dem Podest stand. Damit hatte ich nie gerechnet. Dieser Moment hat mir gezeigt, dass sich harte Arbeit, Geduld und Vertrauen in sich selbst wirklich auszahlen.

 

Gab es einen Wettkampf, der dir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist – und warum?

Es gibt keinen einzelnen Wettkampf, der besonders hervorsticht. Vielmehr sind es mehrere Momente über die Jahre hinweg, in denen ich gemerkt habe, dass ich mit den Besten mithalten kann. Diese Erfahrungen – dieses Gefühl von Stolz, Überraschung und innerer Bestätigung – haben mir viel Selbstvertrauen gegeben und mich immer wieder neu motiviert, meinen Weg weiterzugehen.

 

Wie hat sich das Training und dein Alltag im Laufe der Jahre verändert?

Viele Menschen waren immer erstaunt, wenn ich erzählt habe, wie oft und intensiv ich trainiere, und haben mich gefragt, wie ich das alles schaffe. Für mich war das jedoch nie etwas Außergewöhnliches, da ich es nicht anders kenne. Mein Alltag war schon immer von morgens bis abends durchgeplant. Mit den Jahren wurden es zwar immer mehr Trainings, doch es fühlte sich für mich nie wie eine große Umstellung an – es war einfach mein Leben.

 

Gibt es Trainerinnen, Trainer oder Wegbegleiter, denen du besonders viel zu verdanken hast?

Ich war eine der ersten Turnerinnen, die von Daniel und Katharina Rexa trainiert wurden. Ihnen verdanke ich einen sehr großen Teil meiner turnerischen Entwicklung. Sie haben immer an mich geglaubt, mich motiviert und mir Kraft gegeben – auch in Momenten, in denen ich selbst an mir gezweifelt habe. Außerdem bin ich meiner Trainerin Mirka in Innsbruck sehr dankbar, die mich herzlich in ihre Gruppe aufgenommen und mich über eine lange Zeit hinweg unterstützt und begleitet hat.

 

Was hat dich all die Jahre motiviert, immer wieder in die Halle zurückzukehren?

Meine größte Motivation war die Liebe zum Sport selbst – das tägliche Arbeiten an mir, das Überwinden von Ängsten und der Wunsch, immer ein kleines Stück besser zu werden. Aber auch die Turngemeinschaft, mit der ich aufgewachsen bin und die für mich wie eine zweite Familie geworden ist, hat mich immer wieder zurück in die Halle gezogen.

 

 

 

Abschied vom Leistungssport

 

Du beendest nun deine aktive Kunstturnkarriere. Wie fühlt sich dieser Schritt für dich an?

Es ist ein sehr großer und emotionaler Schritt für mich, da mich dieser Sport begleitet, seit ich denken kann. Gleichzeitig fühlt es sich richtig an. Der Zeitpunkt passt gut – vor allem durch den Beginn meines Studiums und meinen Umzug in eine neue Stadt, der für mich einen neuen Lebensabschnitt markiert.

 

War die Entscheidung aufzuhören ein längerer Prozess oder ein klarer Moment?

Es war definitiv ein längerer und sehr emotionaler Prozess. Der Abschied vom Turnen ist mir unglaublich schwer gefallen, da ich für diesen Sport gelebt habe und so viel Zeit, Schweiß, Energie und auch Tränen investiert habe. Die vielen Verletzungen in den letzten Jahren haben mir die Entscheidung zwar nicht leichter gemacht, waren aber letztlich einer der ausschlaggebenden Gründe, diesen Schritt zu gehen.

 

Was wirst du am meisten am Kunstturnen vermissen?

Am meisten werde ich es vermissen, mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, meine eigenen Ängste zu überwinden und dieses unbeschreibliche Gefühl zu erleben, wenn man etwas schafft, das man sich lange Zeit nicht zugetraut hat.

 

 

Blick nach vorne

 

Welche Rolle wird Sport künftig in deinem Leben spielen?

Sport wird auch in Zukunft eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Auch wenn es nicht mehr das Kunstturnen ist, freue ich mich darauf, neue Sportarten auszuprobieren und weiterhin aktiv zu bleiben.

 

Gibt es Pläne oder Träume, denen du dich nun intensiver widmen möchtest?

Momentan möchte ich mich voll und ganz auf mein Studium konzentrieren. Außerdem möchte ich viel reisen, neue Orte entdecken und sehen, was die Welt zu bieten hat – etwas, wofür ich jetzt endlich mehr Zeit und Freiheit habe.

 

Kannst du dir vorstellen, dem Turnsport – vielleicht als Trainerin oder in einer anderen Funktion – erhalten zu bleiben?

Mir war schon früh bewusst, dass ich den Turnsport nicht hauptberuflich ausüben werde. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dem Turnen gelegentlich auszuhelfen – sei es als Trainerin oder durch Unterstützung in anderen Bereichen.

 

 

Zum Abschied

 

Was möchtest du jungen Turnerinnen mit auf den Weg geben, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

Dieser Sport bringt viele Höhen, aber auch viele Tiefen mit sich. Umso wichtiger ist es, an sich selbst zu glauben und auch in schwierigen Phasen niemals aufzugeben. Harte Arbeit zahlt sich früher oder später aus – und der Erfolg fühlt sich dann umso schöner an. Talent allein ist dabei nicht das Entscheidende um erfolgreich zu sein, sondern Wille, Geduld und Leidenschaft.

 

Gibt es etwas, das du der Turnerschaft Hohenems oder deinen Trainerinnen und Trainern oder Turnkolleginnen noch sagen möchtest?

Ich möchte mich von Herzen bei allen bedanken, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Der Sport und der Verein haben mich zu der Person gemacht, die ich heute bin, und mir unglaublich viel Kraft fürs Leben mitgegeben. Ich bin dankbar für jede einzelne Unterstützung – von Trainerinnen und Trainern, Turnkolleginnen und Turnkollegen. Ohne euch wäre all das nicht möglich gewesen.

 


Liebe Linda, wir danken dir von Herzen für deinen Einsatz und die vielen gemeinsamen Momente in der Halle. Für deinen neuen Lebensabschnitt, dein Studium und all deine weiteren Pläne wünschen wir dir ganz viel Glück, Erfolg und viele bereichernde Erfahrungen.

 

Gleichzeitig hoffen wir sehr, dass dein Weg dich immer wieder in unsere Turnhalle der SMS Hohenems Markt zurückführt – sei es als Trainerin, Unterstützerin oder einfach als Teil unserer Turnfamilie. Unsere Türen stehen dir jederzeit offen.

 

Alles Gute für deinen weiteren Weg – wir sind stolz auf dich!

 

Turnerschaft Hohenems  I Obmann Gernot Engl  I  Walter v.d. Vogelweidestraße 39  I 6845 Hohenems  I  [email protected]